Ausstellung Kunst und Sucht

Ausstellung „Kunst und Sucht“ des Suchtarbeitskreises Regensburg in Zusammenarbeit mit dem Verein DALI Polytox Suchthilfe Regensburg

2009 wurde der Suchtarbeitskreis Regensburg 30 Jahre alt. Er ist nicht nur die älteste Einrichtung dieser Art in Bayern sondern mit seinen verschiedenen Arbeitskreisen auch einer der aktivsten. Aus diesem Anlass gab es am 15. Juni eine Festveranstaltung in der Regierung der Oberpfalz mit einem Fachvortrag von Prof. Dr. Gruber von der Alanus Hochschule Alfter/Bonn. Im Anschluss daran wurde die Ausstellung „Kunst und Sucht“ durch den Schirmherr, Herr Bürgermeister Wolbergs, eröffnet.

Im ausgehenden 19. und im 20. Jahrhundert haben eine ganze Reihe von Künstlern mit Drogen experimentiert. Alkohol, Kokain, Opium, Meskalin, Marihuana und später LSD waren Drogen mit deren Hilfe die Künstler neue Wege beschreiten neue Erfahrungen machen wollten. Das rauschhafte Erleben von Farben, Formen, Tönen und Ideen, das vertiefte Empfinden, die Bewusstseinserweiterung, aber auch die Flucht aus der banalen, beengten Wirklichkeit sind die Motive für den Gebrauch der Rauschmittel.

Viele dieser Künstler, ja ganze Kunstrichtungen waren der Überzeugung, ohne die Droge nicht arbeiten zu können, keine neuen Inspirationen zu haben. Und manch einer von ihnen ist in die Abhängigkeit geraten und daran zugrunde gegangen.

Einen ganz anderen Weg haben Künstler eingeschlagen, die abhängig von einem Suchtmittel sind und die ihre Kunst als Therapie benutzt haben, um aus der Abhängigkeit heraus zu kommen. Sie versuchen, mit Hilfe der Kunst ihre Erfahrungen, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Dass dabei ganz persönliche Kunstwerke entstanden sind, die zunächst nicht für ein Publikum sondern nur für den Künstler selbst gedacht sind, ist verständlich. Diesen Gedanken greift der Suchtarbeitskreis Regensburg zusammen mit der Gruppe DALI – Polytox Suchthilfe Regensburg, auf und veranstaltete an mehreren Orten in Regensburg eine Ausstellung. Über 200 Exponate, Bilder, Skulpturen, Fotos, die von regionalen Künstlern aus dem Suchtbereich geschaffen wurden, wurden ausgestellt. Das Spektrum der gezeigten Werke war breit gefächert. Von Zeichnungen über Malerei bis hin zu Plastiken und Materialobjekten sind die verschiedensten Ausdrucksformen vertreten.

Die gezeichneten, farbigen, sowie die dreidimensionalen Arbeiten sind als individuelle künstlerische Äußerungen so vielfältig - und jedes Werk für sich so einzigartig - wie die Menschen, die sie geschaffen haben. Trotzdem lässt sich allgemein beobachten, dass viele der Werke sich am expressionistischen oder surrealistischen Stil der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts orientieren, indem sie deren Gestaltungsprinzipien und Ausdrucksformen aufgreifen und diese eigenständig umsetzen.

Wie in der surrealistischen Kunst sieht man sich mit vorgestellten und zum Teil phantastischen Szenarien konfrontiert, die vielschichtige Interpretationen zulassen. Das Traumhafte und Unbewusste scheint bei der künstlerischen Verarbeitung und Bewältigung persönlicher Erlebnisse eine große Rolle zu spielen. Das Prozedere, der Weg steht im Mittelpunkt des Interesses, nicht mehr so sehr das Ziel. So lassen auch die Werke der Ausstellung „Kunst und Sucht“ in ihrer Offenheit, die mal mehr, mal weniger gegeben ist, Arbeitsspuren sichtbar werden, die den künstlerischen Prozess erahnen lassen. Die betreffenden Künstler und Künstlerinnen erreichen durchweg ein hohes Maß an Ausdruck, dass ihre Arbeiten so interessant und eindrucksvoll macht.

Neben der Ausstellung gab es ein umfangreiches Rahmenprogramm:

Am Mittwoch, den 17. Juni um 19.00 Uhr lesen zwei Mitglieder des Suchtarbeitskreises in der Stadtbücherei Nord aus den Briefen von Robert Walser, einem jungen Maler, der an seiner Drogensucht gestorben ist.

Über Bilder ins Gespräch kommen. Unter diesem Motto stehen die Veranstaltungen im Mehrgenerationenhaus und im Donaueinkaufszentrum. Von Dienstag bis Freitag wird es im Mehrgenerationenhaus Präventionsveranstaltungen zum Thema Sucht geben. Abhängige Künstler, die auch ausstellen, werden über ihre Erfahrungen im Umgang mit ihrer Sucht reden. Diese Veranstaltungen richten sich besonders an Schulen.

Ebenfalls von Dienstag bis Freitag werden sich verschiedene Einrichtungen und Selbsthilfegruppen aus dem Bereich Sucht im Donaueinkaufszentrum präsentieren. Hier kann sich die interessierte Bevölkerung informieren.

An folgenden Orten war die Ausstellung zu besichtigen:

  • Regierung der Oberpfalz, Emmeramsplatz 8
  • Landratsamt Regensburg, Altmühlstr. 3
  • Gesundheitsamt, Sedanstr.2
  • Krankenhaus St. Josef, Landshuter Str.65
  • Krankenhaus Barmherzigen Brüder, Prüfeninger Str. 86
  • Donaueinkaufszentrum, Weichser Weg 5
  • Bürgerzentrum, Maximilianstrasse26
  • Stadtbücherei Nord, Hans Hayder Str.2
  • Mehrgenerationenhaus, Ostengasse 29
  • Fachhochschule, Seyboldstr.2
  • L.E.D.E.R.E.R, Lederergasse 25
  • Galerie DALI Polytox, Wollwirkergasse 25